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Leonie´s Geschichte Bericht der Eltern
Am nächsten Tag war alles noch in Ordnung. Wenigstens solange, bis Frau Dr. Schulze Everding von der Kinder-Intensiv-Station der Uni-Klinik Münster bei mir gewesen war. Sie hat bei mir Nebengeräusche vom Herzen festgestellt, wollte aber Papa und Mama nicht beunruhigen und sagte, dass so etwas nicht unbedingt etwas Schlimmes bedeuten muß. Papa ist mit mir mittags mit dem Taxi nach Münster gefahren, dann hat Dr. Kotthoff mich untersucht und festgestellt, dass ich einen schweren, sehr seltenen Herzfehler habe (Truncus arteriosus communis Typ I) habe. Hey, davon hatten wir nie zuvor gehört. Konnte es wirklich sein, dass so kleine Menschen wie ich schon so krank sein können? Papa und Mama konnten es nicht fassen. Alles war so gut gelaufen, die ganzen Monate der Schwangerschaft über. Aber es war so. Es wurde viel geredet. Wie schlimm mein Herzfehler wirklich ist, welche Chancen ich habe, wie mein Leben weitergehen würde usw. Wir bekamen ehrliche Antworten: Mein Herzfehler wäre sehr selten und damit auch die Erfahrungen, die man bei einer solchen OP gemacht hätte, noch nicht sehr groß. Die Chancen: Erstens müßte ich die Zeit bis zur OP überstehen, dann die OP selber und ich müßte die Zeit nach der OP überstehen, was das schwierigste werden dürfte. Wenn ich das alles überstanden hätte, ständen meine Chancen 50:50 (für das erste! Lebensjahr). Wir waren geschockt. Es war alles so unbegreiflich, wir hatten uns doch alles anders vorstellt.
Die OP war am 13.08.96. 3 ½ Wochen Aufenthalt auf der Station 18 B West der Uni-Klinik Münster waren zu Ende. Morgens um 8.30 Uhr brachten Papa und Mama mich runter zum OP. Der Tag verging, nichts Neues von mir. Bis es 21.30 Uhr war. Ich war endlich auf der Intensivstation (19 B West) angekommen. Dr. Weyand hatte mir als Stabilität eine Halterung an die beiden Seiten meines Brustkorbes annähen müssen, weil mein Herz sonst nicht genug Platz gehabt hätte. Das hatte es vorher noch nie gegeben. Ich hatte aber alles "den Umständen entsprechend gut" überstanden. Mein Brustkorb war noch auf, aber das würde sich sicherlich in den nächsten Tagen ändern. Leider nicht. Das Teilimplantat war so groß und die Innenorgane auch so angeschwollen, dass es alles in allem 7 ½ Wochen dauerte, bis ich endgültig zugemacht war. Zwischendurch hatten es die Ärzte immer wieder schrittweise versucht, meinen Brustkorb zu verschließen. Am 04.10.96 gelang es dann endlich: Mein Brustkorb war ganz zu. Ich hatte diverse Schwierigkeiten, mit der OP und den Folgen fertig zu werden (immer wieder Infektionen, Ductus, Herzstillstand und massive Probleme mit dem Kreislauf und der Atmung). Dann folgten die Extubationsversuche (ich sollte endlich alleine atmen). Es gelang nicht. Und auch mein Uropa konnte nicht mehr auf mich warten. Er starb mit dem letzten Wunsch, dass ich weiterleben und er für mich sterben dürfe. Sein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Aber ich hätte dich doch so gerne kennengelernt.
Zwischendurch waren wir auch zur Rehabilitation. Das war ganz lustig, wir haben viele nette Leute kennengelernt. Seit Dezember 2000 gehe ich in den Kindergarten "Morgenstern". Das ist ein heilpädagogischer Kindergarten, der nur kleine Gruppen (bis zu 8 Kindern) hat. Da gefällt es mir super. Ich kann es kaum erwarten, dass mich morgens mein Taxi abholt. Mittags freue ich mich aber genauso wieder auf Papa und Mama. Dann gehen wir mit "Sam", unserem neuen Hund, spazieren oder spielen im Sandkasten oder schaukeln. Das macht natürlich viel Spaß. Im September 2001 muß ich dann plötzlich wieder ins Krankenhaus. Bei einem Langzeit-EKG haben die Ärzte festgestellt, dass ich fast 3 Sekunden Pause zwischen zwei Herzschlägen mache. Das ist sehr viel, zu viel. Die Ärzte und Papa und Mama beschließen, dass ich einen Herzschrittmacher bekommen muß. Die OP habe ich gut überstanden, auch die Herzkatheteruntersuchung eine Woche später, bei der mir eine Verengung durch einen Ballon geweitet wird. Schon zwei Tage später darf ich wieder nach Hause.
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