Lottes's Geschichte
Am 26. Juni 2007 wurde Lotte mit 3180gr in der Raphaelsklinik geboren. Bei der U1 am nächsten Tag
war alles einwandfrei.... 3 Tage später bei der U2 hörte die Kinderärztin ein Geräusch am Herzen, welches
sie gerne klären wollte. Dafür mussten wir in die Uni-Klinik zum Ultraschall. Mit den Worten „es ist mit
Sicherheit nichts Schlimmes.... kleine Löcher im Herzen sind bei Säuglingen relativ normal und wachsen
in der Regel in den ersten Tagen zu“ fuhren wir mit dem Taxi ins Klinikum. Die Untersuchung war sehr
ernüchternd. Lotte hat einen angeborenen Herzfehler. Die Erstdiagnose lautet auf „Fallotsche
Tetralogie“... was für ein Schock. Lotte musste sofort in der Uni-Klinik zu weiteren Untersuchungen
bleiben. Ca. 5 Tage hieß es anfangs. Was für ein großer Schock das war. Mit einem leeren Kindersitz
und ohne Lotte bin ichdann wieder zurück in die Raphaelsklinik gefahren und habe dann völlig aufgelöst
Frank erklärt, was passiert war. Eigentlich wollten wir am nächsten Tag nach Hause und das neue
Familienglück genießen... daraus wurde nichts und wir mussten innerhalb von 2 Stunden alles
umorganisieren. Wir konnten glücklicherweise im Familienhaus unterkommen und mussten nun schnell
noch einige Dinge klären und Klamotten wegbringen und neue holen. Das war alles sehr stressig, insbesondere
so kurze Zeit nach der Entbindung.... zusätzlich mussten wir uns nun beide mit dem Thema befassen, dass
unser Kind einen Herzfehler hat, was nicht so einfach war, da wir es vorher ja nicht wussten. Die
Frage „warum wir?“ haben wir uns oft gestellt.
In den nächsten Tagen wurden viele Untersuchungen gemacht und Blut abgenommen und hier und da noch
die Medikamente eingestellt etc. Glücklicherweise hat sich die Erstdiagnose nicht bestätigt... Lotte
hat „nur“ ein VSD (Ventrikel-Septum-Defekt) ,also ein Loch in der Herzscheidewand, was allerdings sehr
groß war und auf alle Fälle operativ behoben werden muss. Darüber waren wir zwar auch erleichtert, aber
die Gewissheit, dass Lotte am Herzen operiert werden muss, war sehr beängstigend.
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Mit so was haben wir nicht gerechnet und zudem waren wir auf dem Gebiet der Herzerkrankungen noch „neu“. Aber
mit der Zeit wird man auch ein wenig „routiniert“ was den Tagesablauf angeht. Aus den anfänglichen 5 Tagen wurden
letztendlich 19 lange Tage, in denen ich meist den ganzen Tag bei Lotte war und Frank nach einer Woche Urlaub
wieder arbeiten musste. Das ist natürlich eine enorme Doppelbelastung gewesen, insbesondere da das Uniklinikum
nicht gerade eine „Oase der Ruhe“ ist und die extrem trockene Luft durch die Klimaanlagen das Übrige tut. Wie
auch immer... am 18. Juli 2007, nach 19 langen Tagen wurden wir nach Hause entlassen..... der OP-Termin sollte
Mitte bis Ende September sein. Normalerweise wird erst im 4. oder 5. Monat operiert, aber das Loch bei Lotte ist
schon recht groß und somit der OP-Termin recht schnell.
Der Alltag zu Hause war erst ein wenig ungewohnt, aber wir genossen die Zeit. Auch wenn die ständige
Medikamentengabe (7/11/15/19/23 Uhr) und die Überwachung des Gewichts und der Trinkmenge sehr zeitaufwendig und
auch einen gewissen Druck ausgeübt haben, war es einfach schön Lotte zu Hause zu haben. Durch das VSD fiel ihr
das Trinken sehr schwer und nach 3 Wochen zu Hause hatte sie immer noch nicht ihr Geburtsgewicht wieder erlangt
und auf einmal wurde sie immer schwächer und schwächer und die Trinkmenge reduzierte sich auf ein „ungesundes“ Mass.
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Die Kinderärztin und die Ärzte in der Kardiologischen Ambulanz der Uni-Klinik waren sich einig, dass Lotte
wieder stationär aufgenommen werden sollte. Das war einer der schwersten Gänge... zurück in die Klinik
und obwohl wir das dort alles schon kannten, war es für mich eine extrem emotionale Angelegenheit. Wieder
überall diese blöden Strippen und Kabel und dann auch noch die Sonde, über die Lotte zusätzlich ernährt
werden sollte. Lotte so schwach und dünn und zerbrechlich zu sehen war ein trauriger Anblick für uns.
Bei der Herzkonferenz wurde entschieden, dass Lotte nun schnell operiert werden müsse, da alles Warten
einfach keinen Sinn ergab... ganz im Gegenteil... es würde sie immer mehr schwächen. Also wurde der
OP-Termin für die folgende Woche Montag festgelegt (20. August). Auf der einen Seite waren wir froh, dass
es nun endlich was wird und wir es schnell hinter uns haben... auf der anderen Seite war dieser Wunsch, die
OP so lange wir möglich vor sich her zu schieben. Also jeder Termin war im Prinzip der Falsche. Bis zu dem
Termin „musste“ Lotte noch viele Untersuchungen über sich ergehen lassen und für uns kam der Zeitpunkt der
OP immer näher und die Angst wuchs. Das Aufklärungsgespräch mit den Chirurgen war auf der einen Seite
natürlich sehr informativ, auf der anderen Seite wurde unsere Angst immer größer, mit dem Wissen, was
alles bei der OP „schief gehen“ kann.
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Freitag, 17. August 2007
Freitagabend dann die Aufklärung von Tobias, wo wir anhand von vielen Dias auf die bevorstehende Situation vorbereitet
werden. Die Fotos sind z.T. sehr schockierend, aber sie bereiten uns darauf vor, wie wir Lotte auf der
Intensivstation „vorfinden“ werden. Die Aufklärung ist sehr informativ und durch die sachliche Art auch nicht so
schlimm wie befürchtet.
Sonntag, 19. August 2007
Der Sonntag vor der OP war ein extrem schwerer Tag für uns. Die Gewissheit, dass es am nächsten Tag zur OP geht
war ganz schrecklich... immer diese quälenden Gedanken, dass auch was passieren kann... dass wir Lotte eventuell
nicht mehr wieder sehen werden. Natürlich sollte man immer positiv denken, aber man kann sich vor solchen
Gedanken nicht schützen, wie z.B. das es das letzte Mal sein könnte, dass wir sie wickeln oder füttern und ohne große Narbe sehen.
Montag, 20. August 2007
Um 7 Uhr morgens sind wir bei Lotte im Krankenhaus. Ein verdammt schwerer Gang. Das Anziehen des kleinen OP-Hemdchens
und der Abschied waren sehr traurig. Wir hatten uns entschieden, Lotte nicht bis zur OP-Schleuse zu bringen, sondern uns
auf der Station von Ihr zu verabschieden. Es ist wie eine Ohnmacht und Hilflosigkeit die uns überkommt. Das Wissen, dass
wir ab jetzt nichts mehr für Lotte tun können ist hart. Wir beschließen den Tag mit etwas „Schönem“ zu verbringen... wir
fahren in den Zoo. Genau die richtige Ablenkung für diese schweren Stunden. Wir hätten uns diese „Wartezeit“ beide noch
schwerer vorgestellt.... aber die Zeit verging doch besser als gedacht. In Gedanken sind wir natürlich viel bei Lotte
und überlegen was sie wohl gerade durchmacht und ob die OP schon vorbei ist und wünschen ihr alles Glück der Welt. Um
14:15 kam dann endlich der erlösende Anruf von Dr. Stege, dass die OP gut verlaufen ist und Lotte nun auf die Intensivstation
verlegt wird. Um ca. 15 Uhr können wir zu ihr..... wir werden von Dr. Stege auf der Intensivstation „empfangen“ und er
berichtet über den Verlauf der OP... alles ist super verlaufen... keine Komplikationen... ein ganz kleines Restloch ist
noch vorhanden, da es zu nah an der Aortenklappe war und diese sonst in Mitleidenschaft gezogen wäre.... laut Angabe der
Ärzte soll das Loch noch zuwachsen.... das wäre natürlich super. Ansonsten kann Lotte mit so einem kleinen Loch auch gut
leben. Dann kommt der große Moment und wir dürfen zu Lotte... wir sind total aufgeregt. Auf der einen Seite ist es ein
großes Glücksgefühl, auf der anderen Seite auch die Ungewissheit, wie sie wohl aussieht in ihrem Bett und den vielen
Schläuchen etc. Der 1. Anblick ist zwar schlimm, aber durch die gute Vorbereitung der Card-AG bei Tobias ist es nicht so
schlimm wie befürchtet. Trotzdem ist es natürlich kein schöner Anblick mit den vielen Kabeln und Drainagen und Pflastern
und Zugängen und hier und da. Der arme Wurm.... der Überwachungsmonitor piepst die ganze Zeit und mit der Zeit begreifen
wir auch, dass es nicht immer schlimm ist, wenn was piepst und blinkt. Lotte liegt da eigentlich ganz friedlich.... sie wird
noch künstlich beatmet, bekommt aber keine herzunterstützenden Medikamente, was super ist. Das kleine Herz hat nach der OP
sofort angefangen zu schlagen und hat auch den richtigen „Rhythmus“ gefunden. Nur einmal musste der externe
Herzschrittmacher (der immer für den Notfall angeschlossen ist, falls das Herz nicht richtig schlägt) „eingreifen“. Lotte
schläft die ganze Zeit, während die Schwester sie sehr fachmännisch versorgt. Ist gut zu sehen, dass jeder Handgriff
sitzt. Beruhigend! Es ist so ein gutes Gefühl, Lotte wieder zu sehen. Wir sind beide so erleichtert und hoffen, dass
die nächsten kritischen 48 Stunden gut verlaufen. Was für ein Tag.... irgendwie absolut unwirklich. Gut, dass der vorbei
ist! Was bleibt ist die Angst und die Sorgen vor der kommenden Nacht... das scheint doch wirklich noch eine recht
kritische Phase zu sein. Hoffentlich geht alles gut.
Dienstag, 21. August 2007
Die Nacht ist gut verlaufen. Puh! Der Herzschrittmacher ist zugeschaltet, da das Herz den Rhythmus ein
wenig „verloren“ hat, was aber nach so einer OP normal ist und uns nicht beunruhigen sollte. Ansonsten geht’s
Lotte ganz gut. Die Schmerzmittel werden schon ein wenig reduziert. Wir sind so glücklich, auch wenn die Angst
immer noch groß ist, dass etwas passieren könnte. Wie in schlechten amerikanischen Filmen, wo auf einmal ein
langer Piepton ertönt und die Puls/Herzfrequenzkurve nur noch eine gerade Linie ist und alle hektisch werden. Aber
diese Gedanken werden schnell verdrängt. Lotte macht nun schon die Augen auf... meckert ein wenig, das allerdings
ohne Stimme, da der Beatmungsschlauch auf den Stimmbändern liegt. Was für ein Anblick... ein Schreien ohne Ton...
das tut einem schon weh, das zu sehen. Sie ist auch noch sehr benommen und kann die Augen nur kurz öffnen. Ob sie
uns wohl erkennt? Mittags wird „extubiert“, d.h. die künstliche Beatmung eingestellt. Wir hoffen, dass sie das
Atmen alleine schafft. Das wäre ein großer Schritt. Wir müssen draußen warten, da immer was dabei passieren
könnte... für den Notfall liegt alles parat. Nach ca. 15 Minuten dürfen wir wieder zu Lotte... es hat alles
gut geklappt. Sie atmet von alleine. Es ist zwar noch alles sehr schnell und hektisch, aber es ist auch alles
sehr anstrengend für Lotte. Jetzt kann sie auch wieder mit etwas Ton schreien.... ah, unsere alte Lotte kommt
durch. Auch wenn es sich noch sehr kratzig anhört. Sie tut uns so leid, wie sie dort liegt. Ob sie wohl
starke Schmerzen hat? Es ist der absolute Wahnsinn, was sie so mitmacht. Aber sie macht es sehr gut. Die
Ärzte sind immer sehr zufrieden und ihr Gesamtzustand ist stabil und die Werte immer im Normbereich.... auch
wenn sie natürlich noch sehr schwach ist und die meiste Zeit verschläft. Nur der Blutdruck ist zeitweilig
etwas niedrig, so dass Plasma zugeführt werden muss, damit mehr Volumen entsteht. Durch diese Zufuhr lagert
sich Flüssigkeit im Körper an.... Lotte ist ein wenig „aufgedunsen“, aber es ist alles noch im Rahmen. Abends
gehen wir sehr „erschöpft“ zurück ins Elternhaus. Was für eine Wohltat, dort wieder ein Zimmer bekommen zu
haben. Diese Einrichtung, von der wir vorher wenig wussten, hilft uns sehr in dieser schweren Zeit. Es ist ein
Ort, um sich mal zurück zu ziehen, und doch ist man nah bei Lotte. Eine große, große Hilfe. Die gesamte
Atmoshäre ist sehr beruhigend.
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Mittwoch, 22. August 2007
Auch diese Nacht war „ruhig“... die Werte sind stabil. Die kritische Phase scheint sie gut zu überstehen. Eine
große Erleichterung macht sich breit. Lotte wird nun deutlich agiler und die Stimme kehrt auch langsam zurück. Der Blutdruck
wird stabiler und die Zufuhr von Plasma wird reduziert. Die Ärzte sind immer noch sehr zufrieden und das ist ein gutes
Gefühl. Wir sind sehr stolz auf unsere Lotte. Sie macht es echt super! Die Flüssigkeitseinlagerungen im Gesicht gehen
auch wieder zurück. Sie bekommt die 1. kleine Milchmahlzeit (5 ml) und sie saugt gierig am Sauger. Hunger ist doch
immer ein gutes Zeichen. Ein schönes Bild! Wir sind so erleichtert, dass es ihr gut geht. Ich weiss gar nicht, wie’s
gewesen wäre, wenn ihr etwas passiert wäre....alleine dieser Gedanke ist immer noch schrecklich. Ein Leben ohne Lotte
wäre nicht mehr vorstellbar. Sie hat unser Leben sehr verändert. Nachmittags kommt der Chirurg Dr. Tiete auch mal
vorbei und schaut nach Lotte. Auch er ist sehr zufrieden mit ihr. Nachmittags dürfen wir sogar das erste Mal mit
ihr „kuscheln“.... auf dem Arm. Es dauert zwar mit den ganzen Kabeln eine halbe Ewigkeit, bis sie fertig zum
Kuscheln ist, aber es ist ein sehr schönes Gefühl, sie endlich wieder auf dem Arm zu halten, auch wenn man noch
extrem vorsichtig ist. Das komplette Pflegepersonal ist sehr nett und hilfreich.
Donnerstag, 23. August 2007
Die Nacht war erneut ruhig und sie hat sich sogar von alleine zu den Mahlzeiten gemeldet und dann gut
getrunken. Appetit scheint sie zu haben. Sie macht das alles super. Mittags kommen 2 der 3 Drainagen raus. Das
ist wohl eine recht schmerzhafte Angelegenheit aber sie macht es super und beruhigt sich auch schnell wieder. Tapfer
die Kleine. Heute wird gut „abgerüstet“. Nachmittags wird sogar noch die 3. und letzte Drainage gezogen und wir sind
von dem Tempo auch recht überrascht. Der Blasenkatheter kommt auch noch raus. Die Kabel werden weniger. Die Trinkmenge
wird bereits auf 50 ml erhöht und das freut Lotte doch sehr. An der linken Hand wird schon ein Zugang entfernt. Lotte
scheint das auch zu freuen, sie schaut schon wieder recht wach in der Gegend rum und lüllert schon wieder wie gewohnt
alles an, was ihr vor den Mund kommt. Morgen soll es schon wieder auf die „normale“ Station gehen. Lotte macht das hier
wohl wirklich im Sauseschritt.
Freitag, 24. August 2007
Lotte’s Nacht war mal wieder ruhig, aber vormittags wird sie doch deutlich unzufrieden... sie bekommt ein
Schmerzmittel, damit sie ruhiger wird. Nebenbei wird die Milchmenge schon auf 70 ml erhöht. Die Visite ist sehr
zufrieden und eigentlich kämen wir heute schon runter von der Intensivstation, wenn es dort nicht so voll wäre. Aber
damit haben wir kein Problem. Ein Tag länger oben heißt auch ein Tag länger Ruhe. Unten war es in den letzen Tagen sehr
voll und hektisch. Heute kommt der ZVK (Zentrale Venen Katheter) am Hals raus. Noch ein großer Schritt. Lotte ist
fast alles an Kabeln los, bis auf die Üblichen, die sie unten auf der Station auch haben wird (Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung
und Blutdruck). Als Medikation erhält sie noch eine D-Fluorette... das ist alles. Wenn das keine Erfolgsstory ist. Wir
sind immer noch so unendlich erleichtert.
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Samstag, 25. August 2007
Heute geht’s runter auf die 18b. Schade! Nun ist Schluss mit der Ruhe. Aber es ist auch ein großer Schritt in
Richtung „Freiheit“ (zu Hause). Allerdings ist Lotte heute sehr unruhig, da sie kaum noch Schmerzmittel bekommt. Sie
schreit die ganze Zeit und schläft nicht und ist völlig durch den Wind. Sie scheint Schmerzen zu haben. Aber es scheint
auch ein Großteil „postoperative Unruhe“ zu sein, was völlig normal ist nach so einer OP bei Säuglingen. Immerhin ist es
ein traumatisches Ereignis gewesen, was verarbeitet werden muss. Das hätten wir uns so schlimm allerdings nicht
vorgestellt. Sie kommt ja gar nicht mehr runter.... nicht nur für Lotte ist dies eine stressige Situation, auch für uns
Eltern ist es absolut nicht einfach. Da ist man so erleichtert, dass die OP gut verlaufen ist und wir dachten, damit
wäre es eigentlich „vorbei“.... dass es so anstrengend sein wird, sie immer wieder zu beruhigen, das hätten wir nicht
gedacht. Spätnachmittags bekommt sie endlich ein Schmerz- und Beruhigungsmittel, da es nicht mehr geht. Danach schläft
sie ein wenig. Nach der ganzen Anspannung für uns, ist es sehr schwer, die Ruhe zu bewahren. Irgendwie ist man schon ein
wenig verzweifelt. Eine stressige Situation. Nach 11 Stunden nonstop am Bett, müssen wir mal raus, auch wenn Lotte immer
noch schreit. Aber es geht nicht mehr. Der Akku ist leer. Außerdem wird sie ja immer sehr gut vom Pflegepersonal
betreut. Alle geben sich große Mühe. Es ist schon sehr viel wert, nicht alleine durch diese schwere Zeit zu kommen. Ein
Partner an der Seite ist unbezahlbar. Gegen 21:30 verlassen wir nach langen Stunden erschöft die Klinik und gehen ins Familiehaus.
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Sonntag, 26. August 2007
Lotte’s Nacht war erstaunlicherweise ruhig, nachdem sie eingeschlafen war. Allerdings ist die Ruhe dann morgens auch
wieder vorbei. Sie ist den ganzen Tag sehr unruhig und hibbelig und kommt nur auf dem Arm ein wenig runter. Frank und ich müssen
uns mit den Pausen abwechseln, da wir sie so nicht alleine lassen wollen. Sobald wir versuchen, sie ins Bett zu legen, ist’s vorbei
mit der Ruhe und sie schreit heftig. Oben auf der Intensivstation war sie so schön ruhig, aber das muss dann wohl auch an den
Medikamenten gelegen haben. Danach machen sie quasi alle einen „Entzug“ durch. Schlimme Vorstellung, besonders da wir uns so
hilflos fühlen. Es geht uns sehr an die Substanz, auch wenn wir natürlich immer noch überglücklich sind, ertappen wir uns manchmal
dabei, sehr ungeduldig mit Lotte zu sein. Aber auch wir sind „nur“ Menschen.
Montag. 27. August 2007
Lotte ist immer noch sehr unruhig, aber es wird allmählich besser. Heute werden die Herzschrittmacherkabel gezogen, da ihre
Werte immer sehr gut waren und das Gerät nicht mehr benötigt wird. Das ist natürlich super. Jetzt ist Lotte (fast) alle Kabel los. Der
Allgemeinzustand ist gut und die Ärzte sind zufrieden. Immerhin ist es gerade mal eine Woche her, dass sie operiert worden ist.
Wahnsinn, wenn wir uns das jetzt so vorstellen. Es scheint schon so weit weg zu sein....
Dienstag, 28. August bis Donnerstag 30. August 2007
Lotte ist zwar immer noch unruhig, aber mittlerweile trinkt sie viel und gut und nimmt auch zu. Nun warten wir auf den ersten
Babyspeck. Ihre Wunden heilen gut und die Narbe sieht gut aus. Wir haben uns bereits an den Anblick mit Narbe gewöhnt... es war
gar nicht so schwer. Irgendwie gehört sie jetzt einfach dazu. Die Schwestern und Tobias sind immer alle sehr nett und
hilfreich. Wir haben das Gefühl, dass sich jeder für Lotte freut. Jeder kümmert sich gerne um Lotte, wenn wir mal nicht
anwesend sind. Wir haben immer das Gefühl, dass sie gut aufgehoben ist, insbesondere Schwester Simone hat sehr gerne mit
Lotte „geschuckelt“. Es ist insgesamt eine sehr entspannte Situation. Wir haben uns schon sehr an alle dort gewöhnt.
Freitag, 31. August 2007
Es ist der absolute Wahnsinn. Heute dürfen wir nach Hause. 11 Tage nach der OP. Das ist eine Glanzleistung.
Wir sind so erleichtert und immer noch mächtig stolz auf Lotte. Es ist ein gutes Gefühl die Klinik mit einem „gesunden“ Baby
zu verlassen. Lotte hat sogar schon Pausbäckchen bekommen. Wenn das kein schönes Zeichen ist. Es ist sogar ein etwas
komisches Gefühl die ganzen Leute auf der Station, die mittlerweile recht vertraut geworden sind, zu verlassen. Natürlich
würden wir nicht länger bleiben wollen, aber es zeigt auch, wie schnell sich der Mensch an neue Situationen anpasst.
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Jetzt sind wir seit 3 Wochen wieder zu Hause. Es ist ein wenig Alltag eingekehrt. Lotte hat bislang 1kg zugenommen und wiegt
nun 4180gr. Sie trinkt gut und macht auch so einen guten Eindruck. Wir müssen nur noch 1 Medikament zur Entwässerung und die D-Fluorette
am Tag verabreichen und das ist schon eine große Erleichterung. Nicht mehr diese ständigen Kontrollen des Gewichts und der
Trinkmenge. Wir können sie als „normales“ Baby behandeln und allmählich kommt auch der Babyspeck. Das einzige, womit wir noch
alle zu „kämpfen“ haben ist diese innere Unruhe und die Einschlafprobleme. Lotte wehrt sich mit Händen und Füssen gegen den Schlaf
und das gibt uns natürlich schon zu denken, was sie alles verarbeiten muss und das der ganze Eingriff für sie eine schwere
Angelegenheit war, die nicht in 2 Wochen vergessen ist. Wir üben uns in viel Geduld und versuchen ihr nun mit viel Nähe und auf
homöopathische Weise und Osteopathie zu helfen das Ganze zu verarbeiten. Das ist das was wir machen können, und das machen wir gerne. Auch
wenn es gerade mal einen Monat her ist, scheint alles schon wieder in so weite Ferne gerückt zu sein, dass es manchmal kaum vorstellbar
ist, wie wir das alles geschafft haben. Offensichtlich werden in schweren Zeiten Kräfte freigesetzt, von denen man manchmal nicht
weiß, dass es sie gibt. Nun genießen wir den Familienalltag mit einer zunehmend zufriedeneren Lotte und hoffen, dass wir für
lange Zeit nicht mehr in eine Klinik müssen (außer zu Kontrollen).
Mittlerweile ist Lotte 6 Monate alt. Sie hat angefangen mittags Brei zu essen und ist auch sonst ein sehr zufriedenes Baby. Sie
macht uns viel Freude und wir genießen die Zeit. Ein Besuch beim Kardiologen war sehr erfreulich. Die Restlöcher sind nicht mehr
wirklich zu erkennen aber sind noch vorhanden und der Druck in der einen Herzkammer ist auch deutlich zurückgegangen. Es besteht zwar
immer noch ein gewisses Restrisiko, dass irgendwann mal eine erneute OP ansteht, aber da gehen wir jetzt mal nicht von aus. Der Arzt
ist sehr zufrieden mit ihr und das sind wir dann auch. An die schwierige Zeit im Krankenhaus denken wir nicht sehr oft... nur
manchmal „überkommt“ uns ein wenig Schwermut, insbesondere wenn wir uns der Uniklinik durch Zufall nähern?.
Familie Morthorst 2008
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